Meine Ex hat im Ausland einem Fremden unsere Reisepässe gegeben!

Dass sie nicht warme Decken und literweise Trinkwasser mitgenommen hat, ist alles. „Müssen wir denn in so ein Kriegsgebiet fahren?“ Das fragt sie mich immer wieder. Den ganzen Weg in den Balkan. Ich habe längst aufgegeben ihr zu erklären, dass es dort keinen Krieg mehr gibt, denn sie hat eh‘ nicht auf mich gehört. Unfassbar viele Stunden sitzen wir im Auto, bis wir endlich an dem kleinen Ferienhaus, das ich uns angemietet habe, angekommen sind.

Meine Freundin beäugt den älteren Mann, der uns die Schlüssel übergibt, argwöhnisch. Zwickt mich andauernd in die Seite, während ich versuche sein gebrochenes Englisch in sinnvolle Infos zu transformieren und ihm zu antworten. Aufgrund der Fingernägel in meiner Leiste klinge ich vermutlich wie ein verunglückter Seevogel. „Ye-HEES we like iIIIIIiiiTTTTTtttt very much here. Thank yoooOOOoooou!“ Ich werfe ihr einen bösen Seitenblick zu, aber sie zischt nur irgendwas, das für mich wie „Würger!“ klingt. Der knorrige alte Mann lächelt unbeirrt. „I will take a look at the garden!“ Froh, das stickige Zimmer zu verlassen und damit den beißenden Gestank dieses schwitzigen Mannes zu entkommen, fliehe ich in den Garten.

Meine strahlende Freundin erwartet mich, als ich wieder die schrullige kleine Küche betrete. Kein alter Mann mehr zu sehen. „Wo ist er hin?“, frage ich verwundert. „Er meldet uns.“ Ich sehe sie verwirrt an: „Er meldet uns? Wo? Wieso? Was?“ Sie zuckt mit den Schultern: „Ach ich weiß auch nicht. Hab das nicht so genau verstanden, aber er wollte 30 Euro von mir haben und unsere Reisepässe.“ Meine Augen weiten sich: „Und dann hast Du was genau gemacht …?“ Sie dreht sich gelangweilt um, geht zum Küchentisch und stopft sich vier Trauben auf einmal in den Mund, die uns mit anderem Obst zum Empfang gebracht wurde: „Hab‘ ich ihm halt gegeben!? Er kommt morgen oder so und bringt die Ausweise zurück. Aber jetzt: Urlaub!“ Sie strahlt wie ein Atomkraftwerk, greift meine Hand und zieht mich raus in die Sonne …

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